Kindergartenratgeber - Ausgabe 4/2003 (Original)
NLP – Neuro-Linguistisches Programmieren hilft bei der Kommunikation mit Kindern
Wenn Kinderohren „auf Durchzug“ stehen ...
Nicht nur Eltern ist es hinlänglich bekannt, auch ErzieherInnen wissen ein Lied davon zu singen: Der Alltag mit Kindern ist nicht immer ein Sonnenschein. Im täglichen Umgang mit den süßen Kleinen gibt es viele Reibungspunkte. Und nicht selten stößt man dabei als Erwachsener an seine (Schmerz-)Grenze.
NLP – Neuro-Linguistisches Programmieren – das hört sich erst mal sehr wissenschaftlich an. Aber diese Methode hat sich schon in Partnerschaftskonflikten und in Schwierigkeiten zwischen Kollegen und/oder Vorgesetzten am Arbeitsplatz bewährt. Jetzt wird das Training auch bei Problemen in der Erziehung von und im Umgang mit Kindern angewandt. Mit viel Erfolg.
Mehr soziale Kompetenz
Es geht nicht um das berühmt-berüchtigte Motivationstraining, das in den letzten Jahren zu Recht in Verruf geraten ist, betont NLP-Trainerin Sabine Weigmann-Bates. Sie hat langjährige NLP-Erfahrung und versteht die Trainings für ErzieherInnen und Eltern eher als sehr nützliches und wirkungsvolles Handwerkszeug. „Studien haben gezeigt, dass Trainings für Eltern und ErzieherInnen langanhaltende positive Erfolge haben. Noch nach Jahren sind die Vorteile des NLP-Trainings nachweisbar. Schon nach kurzer Zeit zeigen die Kinder in der Regel ein höheres Maß an Verständnis, Toleranz und sozialen Fähigkeiten den Erwachsenen gegenüber, was ihnen selbst auch im Umgang mit Gleichaltrigen zugute kommt.“
Think positive!
Erstes Gebot von NLP: Positiv denken! Die NLP-Strategie geht weg vom Problemverhalten hin zum lösungsorientierten Verhalten. „Wenn ich einem Kind sage: „Verschütte die Milch nicht“, läuft gerade dieses Bild des Milchverschüttens in seinem Kopf ab und es passiert oft genau dies. Wenn ich ihm aber sage „Halt das Glas schön fest und gerade“ wirkt das viel besser. Außerdem wichtig: Denken Sie im Alltag immer an das, was Sie wollen, was Sie erreichen möchten und nicht an das, was Sie nicht wollen, was Sie – Ihrer Meinung nach - nicht erreichen können. Das hilft Ihnen dabei, schneller und einfacher ans Ziel zu kommen.
Genau hinschauen
Zweites Gebot des NLP: Beobachten Sie Ihr Gegenüber genau, also beispielsweise die Kinder. Wenn sie deren Verhalten (und die dahinterliegenden Beweggründe) besser einschätzen lernen, entsteht durch eine diesem Verhalten angemessene Kommunikation ein besseres, gegenseitiges Verständnis und Konflikte können besser und schneller gelöst werden. Im täglichen Miteinander kommt es, auch mit Kindern, ständig zu bestimmten Reaktionen auf Signale. Das können Gesten, bestimmte Sätze oder auch nur der Klang der Stimme sein, die das Kind oder den Erwachsenen sofort in eine negative Stimmung versetzen. „Bei mir muss sich jeder die Frage stellen „Was bringt mich auf die Palme?“ so Sabine Weigmann-Bates. „Danach suchen wir dann gemeinsam geeignete Lösungen, die solche Spannungen abbauen.“
Sprache, Sinne und Selbstmanagement
Im NLP-Training erfahren die Teilnehmer Interessantes über die Grundlagen effektiver Kommunikation. Sie lernen, wie man – verbal und nonverbal – einen guten Draht (wieder) herstellen kann und welche Sprache am besten geeignet ist, um an Kinder heranzukommen. „Jeder Mensch bevorzugt einen seiner fünf Sinne“, weiß die 43jährige NLP-Trainerin. So nehmen Geruchsmenschen ihre Umwelt anders wahr als etwa Gefühlsmenschen. Das zeigt sich sogar in der Sprache. Dem einen „stinkt“ etwas, während der andere „sich dabei nicht gut fühlt“. Wenn man lernt, bei seinem Gegenüber, zum Beispiel beim Kind den bevorzugten Wahrnehmungssinn zu erkennen, gelingt es einem eher, die für das Kind „verständlichste“ Sprache zu sprechen.
Wichtig beim NLP sind auch Konflikte. Sie können und sollten keineswegs vermieden werden, sondern vielmehr die Chance für positive Veränderungen bieten.
Im Bereich Wahrnehmung geht es darum, das Kind in seiner Einzigartigkeit wahrzunehmen, Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln sehen zu lernen und sich eigenen Emotionen wie Wut, Angst, Enttäuschung und ähnlichem anzunähern und damit besser umzugehen.
Stärken stärken
Die NLP-TeilnehmerInnen erfahren beim Training außerdem, wie Einstellungen und Überzeugungen erfolgsfördernd verändert, (Lern-)Blockaden abgebaut und (Lern-) Motivation gefördert werden können.
Und schließlich geht es um das Thema Selbstmanagement. Hier lernen ErzieherInnen, bei sich selbst und den Kindern positive Zustände aufzubauen, die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu erkennen und zu nutzen sowie Strategien, um in belastenden Situationen ruhig und gelassen zu bleiben. Außerdem werden ihnen Alternativen zum Abbau von quälenden Gedanken und Sorgen angeboten.
Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten
Durch die Plausibilität und Einfachkeit der Methoden können diese schnell im Alltag umgesetzt werden. ErzieherInnen sehen das Erlernte aber nicht nur im Umgang mit Kindern als nützlich an. Die erlernten Strategien werden auch erfolgreich in Tür-und-Angel-Gesprächen, Teamsitzungen und bei Elterngesprächen angewandt.
Auch wenn viele ErzieherInnen in Fortbildungen das eine oder andere Thema schon behandelt haben, so bietet NLP in dieser besonderen Kombination eine spezifische Behandlung der genannten Problemfelder unter besonderer Berücksichtigung der speziellen Bedürfnisse und Anliegen von ErzieherInnen an.
Text: Martina Peters
Informationen über NLP und Anmeldung für NLP-Kurse:
Literatur:
Was ist NLP?
NLP heißt Neuro-Linguistisches Programmieren und ist eine Sammlung von besonders wir- kungsvollen Kommunikationsmustern und Methoden der persönlichen Veränderung. Es befasst sich mit dem Zusammenspiel von Körper (Neuro), Sprache (Linguistik) und internen Verarbeitungsprozessen (Programme). Diese dauernde Wechselwirkung bestimmt unser ganzes Denken und Verhalten. NLP lehrt uns diese Zusammenhänge zu verstehen und zu nutzen. Ursprünglich wurde NLP aus unterschiedlichen, bewährten Kommunikationsmustern, Veränder- ungstechniken und therapeutischen Methoden entwickelt. Inzwischen wird NLP nicht nur im therapeutischen Bereich, sondern auch in Management, Verkauf, Werbung, Coaching, Medizin, Pädagogik, Sport und zur Persönlich-keitsentwicklung angewandt. NLP wirkt sehr ziel- und lösungsorientiert, d.h. man beschäftigt sich wenig mit dem „warum“ eines Problems. Die Vergangenheit wird zwar – wo sie die Weiterentwicklung behindert – miteinbezogen, der Schwerpunkt liegt aber auf Gegenwart und Zukunft. Probleme werden nicht als etwas zu Bekämpfendes, vielmehr als Möglichkeit zur Verbesserung betrachtet und dann in erreichbare Wunschziele verwandelt. Im Vordergrund steht immer, was Menschen selbst tun können, um ihre Lebensziele und Wünsche zu erreichen und sie so zu erreichen, dass für ALLE Beteiligten möglichst viel Positives dabei herauskommt – also auch für den Partner, die Familie, die Firma oder auch für die Menschheit insgesamt. Dabei werden das soziale und/oder betriebliche Umfeld, sowie das konkrete Verhalten und innere Werte, Überzeugungen und Identität berücksichtigt.